11. – 13. Schuljahr

Moritz Raab

Gorgoneum crinem turpes mutavit in hydros (Met. 4, 801)

Ein WebQuest zur Rezeption der Medusa aus den Metamorphosen

Die WebQuest-Methode verknüpft im vorliegenden Falle die „Ästhetik des Grauens, digitales Lernen sowie die rezeptionsgeschichtliche Interpretation. Die Lernenden untersuchen im Rahmen eines digitalen Lehr-Lern-Arrangements ausgehend von der Verwandlungsgeschichte bei Ovid die Darstellung der Medusa in Kunst, Film oder Literatur unter den Aspekten von Grausamkeit und Grauen.

Der Medusa-Mythos ist bei Ovid eingebettet in die Geschichte des Perseus (Met. 4,772 – 803). Dieser Heros hatte unlängst die Andromeda vor dem Meeresungeheuer gerettet und sie zur Frau genommen. Nach dem Hochzeitsessen wird Perseus in geselliger Runde gefragt, wie es ihm gelungen sei, den von Schlangen umgebenen Kopf der Medusa zu rauben, deren Blick alle Lebewesen versteinert (4,770f.). Daraufhin erzählt Perseus, wie er sie aufgespürt, ihren tödlichen Blick durch die Spiegelung in seinem Schild abgewehrt und sie schließlich im Schlaf enthauptet habe (4,772ff.). Als einer der Zuhörer wissen will, warum Medusa Schlangen statt Haare auf ihrem Kopf trug, schildert Perseus eine tragische Geschichte.
An dieser Stelle setzt der von den Lernenden zu übersetzende lateinische Text ein (4,794 – 802). Mit Verweis auf einen Zeugen (referret, V. 797) erzählt Perseus, wie schön Medusa aussah (clarissima forma, V. 794), wie viele chancenlose Verehrer sie hatte (multorum spes indiviosa procorum, V. 795) und wie auffallend ihr Haar war (nec conspectior ulla capellis, V. 796). Doch dann habe sie Furchtbares erlitten: Neptun (pelagi rector, V. 798) soll sie im Tempel der Minerva vergewaltigt haben (V. 798f.). Diese habe eine solche Handlung1 in ihrer Wohnstatt sowie unter ihrer Anwesenheit2 – sie musste sich aus Scham gar hinter ihrem Schild verstecken (aversa est, V. 799; castos aegide vultus texit, V. 799f.) – nicht ungestraft lassen wollen (neve hoc inpune fuisset, V. 800). Also habe sie Medusas Haar in hässliche Schlangen (turpes hydros, V. 801) verwandelt und so ihr Antlitz entstellt.3
Der Sprecher spannt einen Bogen in seine Gegenwart (nunc quoque, V. 802): Denn seitdem trage Minerva selbst Schlangen auf der Brust, um durch Grausen (formidine, V. 802) ihre Feinde in Angst und Schrecken zu versetzen (attonitos4 terreat hostes, V. 802f.).5
Grausames und Grauenhaftes in der Darstellung Ovids
In der ovidischen Darstellung können einerseits Grausamkeit, andererseits Grauen unterschieden werden, deren Zusammenhang im Rahmen der textimmanenten Interpretation herauszuarbeiten ist.
Grausam ist die Darstellung, indem Medusa zwei Gewaltakte gegen Körper und Seele erleidet, die von den Tätern willentlich durchgeführt werden. Der erste ist die Vergewaltigung durch Neptun. Der zweite ist die Verwandlung ihres Haares durch Minerva, die ihr zur Bestrafung die Schönheit nimmt.6
Das Grauenhafte der Medusa wird indes nur indirekt deutlich. Die „hässlichen Schlangen, die ihr an Stelle ihrer Haare aus dem Kopf wachsen, lassen ihre fürchterliche, angsteinflößende oder auch ekelige Erscheinung erahnen. Die ätiologische Aussage im Schlusssatz, dass Minerva seitdem eben auch Schlangen auf ihrem Brustpanzer trug, um Feinde durch Grauen zu erschrecken, lässt im Rückschluss die Annahme zu, dass Medusa in ähnlicher Weise Grauen und Schrecken verbreitet haben muss.
Schwierigkeiten in der Übersetzung
Der Text beinhaltet zahlreiche Schwierigkeiten, da viele besondere grammatische Phänomene gehäuft vorkommen, so z.B. der Ablativus qualitatis (clarissima forma fuit), Ablativus comparationis (capillis), AcI (se vidisse referret) und NcI (dicitur), ut/ne-Sätze, reflexives Passiv (aversa est). Dazu kommen das Verständnis erschwerende Antonomasien (pelagi rector, nata Iovis) sowie zahlreiche Hyperbata. Es empfiehlt sich, zur Vorentlastung besonders die Ablativfunktionen sowie die Komparation von Adjektiven zu wiederholen.
D...

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