11. – 13. Schuljahr

Katharina Waack-Erdmann

Die schöne Helena?

Mehr als nur eine attraktive Erscheinung

Die Lernenden untersuchen anhand von drei exemplarischen Textstellen aus Ilias und Odyssee die Rolle Helenas. Sie beobachten, wie Helena versucht, sich Aphrodites Befehl zu widersetzen, wie sie in der Odyssee geschickt die Unterhaltung zwischen Menelaos und Telemachos lenkt und wie sie der gedrückten Stimmung mit psychologischem Feingefühl begegnet. Dabei setzen sich die Schüler auch mit den Geschlechterbildern in der Antike auseinander.

Zu Helena, einer zentralen Gestalt der griechischen Mythologie, fällt sicherlich jedem Menschen, der sich schon mal mit dem trojanischen Sagenkreis befasst hat, sofort etwas ein. Allerdings wird es sehr verschiedene Aspekte geben, die benannt werden können: ihre Geburts- und Familiengeschichte, ihre Freier, ihre Ehe mit Menelaos, ihre Rolle in der Vorgeschichte des Trojanischen Krieges sowie an der Seite des Paris und schließlich ihre Rückkehr zu Menelaos . Von ihrer Zeugung durch Zeus in Schwangestalt an bis zu ihrem Schicksal, als „Belohnung für die Wahl der Aphrodite zur schönsten Göttin herzuhalten, ist ihr Leben fremdbestimmt; ihr wichtigster Wesenszug scheint es, „schön zu sein.
Homers Helena im Unterricht
Dieser Beitrag dient dem Ziel, die Darstellung und die Rolle der Helena bei Homer im unterrrichtlichen Sinne zu untersuchen. Dabei zeigt sich, dass ihr neben der Schönheit weitere durchaus wesentliche Züge zu eigen sind. Ich beschränke mich auf das homerische Helena-Bild, da in der Regel im Unterricht der Fokus auf der Homer-Lektüre liegen wird. Ergänzungen, auch zur Rezeption, sind je nach Anlage des Unterrichts möglich.
Für Lernende bietet die Beschäftigung mit Helena die Chance, sich mit zentralen griechischen Mythen, mit antiken und neuzeitlichen, fremden und jeweils eigenen Rollenbildern auseinanderzusetzen. Neben der Sprach- und Textkompetenz, die im Umgang mit jedem Text geschult werden, liegen die Ziele der Unterrichtsreihe damit vor allem im Bereich der Kulturkompetenz.
In den beiden großen homerischen Epen wird die Vorgeschichte der auf Helena bezogenen Handlung – das Parisurteil, Helenas Entführung und das anschließende Zusammenkommen des Heerzuges gegen Troja – als bekannt vorausgesetzt. In Material 1 und Material 2 finden sich zunächst zwei auf Helena fokussierte Inhaltsparaphrasen der Epenhandlung. Sie können als Material dienen, um in die Thematik einzuführen und die Übersetzung inhaltlich vorzuentlasten oder um diese im Anschluss an die Lektüre zu ergänzen. Die Angaben in der Randleiste verweisen auf ausgewählte Textbelege.
Die Behandlung der Helena-Darstellung kann prinzipiell von jeder Textstelle ausgehen, in der es um Helena geht. Exemplarisch sind mit Material 3 – 5 drei Textstellen aufbereitet, von denen aus in besonderer Weise eine Auseinandersetzung mit dieser außergewöhnlichen Frauenfigur möglich ist (Aufgaben zu allen Materialien in Material 6 ).
Einzelne Partien in den vorliegenden Texten wurden zweisprachig1 gesetzt und für den Rest viele Vokabelhilfen gegeben, um eine zügige Lektüre zu ermöglichen. Gleichwohl wird die Kenntnis homerischer Sprache und des Umgangs mit den Texten vorausgesetzt. Der eigentliche Übersetzungstext beläuft sich somit auf 149 (Material 3), 114 (Material 4) und 120 Wörter (Material 5). Material 3 und 4 könnten auch auf verschiedene Gruppen verteilt werden und anschließend die jeweiligen Ergebnisse zu einem Gesamtbild zusammengefügt werden. Im Anschluss an die Texte folgt jeweils eine Aufgabe, die davon ausgeht, Informationen über Helena und ihr Handeln aus dem Text zusammenzustellen und griechische Textbelege zu geben. Dieses Vorgehen lenkt den Blick auf Textdetails, besonders in den nicht zu übersetzenden Texten. Eine zweite Aufgabe dient dazu, über diese Informationen nachzudenken und sich bewusst zu machen, wie Helena als Person dargestellt ist, bevor eine letzte Aufgabe dazu auffordert, das Thema...

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