8. – 10. Schuljahr

Anna Katharina Frings

Matronis votum solvit libens merito

Matronenweihungen im Rheinland als Zeugnisse einer interkulturellen Begegnung

Im römischen Rheinland ist ein spezifischer provinzialrömischer Kult archäologisch und epigraphisch nachweisbar: die Verehrung der Matronen. Der Unterrichtsvorschlag befasst sich mit ausgewählten Weihinschriften für diese Schutzgöttinnen, denen Personen unterschiedlicher Herkunft und Ranges weihten.

Inschriften unterscheiden sich von den literarischen Überlieferungen der Antike durch ihre Unmittelbarkeit: Sie sind direkte Zeugnisse ihrer Zeit. Ebenso wie bei literarischen Texten ist aber wohl nur ein kleiner Teil von Inschriften erhalten. Der größere Teil befand sich auf vergänglichen Materialien, wie Holz, Wachs oder Putz oder wertvollem Metall, das oft eingeschmolzen wurde. Erhalten sind vor allem Inschriften auf Stein; dabei sind keineswegs nur die Buchstaben allein Träger von Bedeutung, auch der Inschriftenträger, also der Weihaltar (Weihinschriften) , das Gebäude (Bau- oder Stifterinschriften), die Ehrenstatue (Ehreninschriften), das Grabmonument (Grabinschriften), die Bleitafel (Militärdiplome, Fluchtäfelchen) oder Gebrauchsgegenstände wie Amphoren oder Wasserleitungsrohre, spielt eine Rolle. So ist bei einer Ehrung natürlich die Ehrenstatue, nicht die dazugehörige Inschrift, die eigentliche „Hauptsache. Neben den monumentalen Inschriften, die von Angehörigen der Oberschichten oder den Kaisern selbst gesetzt wurden, existieren inschriftliche Zeugnisse auch von Vertretern und Vertreterinnen der weniger gehobenen Schichten, neben den ästhetisch ansprechenden, sorgfältig in capitalis quadrata gemeißelten hastig verfasste, fehlerhafte und oft schwer zu entziffernde Inschriften. Gleichwohl setzt die Weihung eines Altars oder das Errichten eines Grabsteins ein gewisses ökonomisches Vermögen voraus, möglicherweise auch einen gewissen Grad an Romanisierung, denn das Setzen von Weihinschriften ist römischer Usus. In ihrem Wortlaut sind Inschriften meist schlicht und folgen oft einem festgelegten Formular und einem klaren Aufbau, was ihre Entzifferung im Unterricht erschwert und erleichtert zugleich: einerseits ermöglicht der gleiche Aufbau ihre „serielle Erschließung, andererseits bedürfen sie vielfacher Erläuterungen, was Nomenklatur, verwendete Abkürzungen und Sonderzeichen angeht. Die Analogie zu Inschriften in der Lebenswelt von Schülerinnen und Schülern, wie z.B. Grabsteine oder auch Votivgaben in Kirchen, sollte nicht Fremdheit und Widerständigkeit des epigraphischen Materials überdecken. Inschriften zu entschlüsseln kann für Lernende einen detektivischen Reiz haben, dafür muss der Schwierigkeitsgrad aber gerade noch zu bewältigen sein.
Ethnische und religiöse Vielfalt in der Germania inferior
Das römische Niedergermanien, unter Kaiser Domitian um 85 n.Chr. als Provinz etabliert – vorher war es ein Heeresbezirk gewesen – war eine Zone von Austausch, Kontakt und Vermischung. Der mehrphasige Akkulturationsprozess wird als Romanisierung bezeichnet. Romanisierung, die freilich auch als Herrschaftsinstrument diente und an deren Anfang die Ausübung militärischer Gewalt stand, hat in der Germania inferior eine besondere Ausprägung angenommen. Die Germania inferior steht durch die späte Einbeziehung ethnisch germanischer Stammesgruppen in eine civitas-Kultur, durch von den Römern veranlasste Bevölkerungsverschiebungen wie die Ansiedlung der Ubier und starke Militärpräsenz durch die Grenzlage als Sonderfall da. Die dortige Bevölkerung war ethnisch stark gemischt: Sie bestand aus keltischen, germanischen – sowohl eingesessenen als auch eingewanderten wie den Ubiern – und „römischen Gruppen. Dabei kamen die Soldaten der Besatzungsmacht wiederum aus unterschiedlichen Teilen des Imperiums: Die Legionssoldaten waren vor allem in Oberitalien und Südfrankreich rekrutiert worden, die Auxiliareinheiten stammten aus Gallien, Pannonien und Spanien. Als ein Motor...

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