5. – 9. Schuljahr

Andreas Hensel

Eine neue Lektion beginnen

Schülerinnen und Schüler gehen mit einer gewissen Erwartungshaltung an Lektionstexte heran; sie erhoffen sich einen Gewinn, z.B. Unterhaltung, Information oder Spannung. Um ihre Neugier und ihr Interesse zu fördern, ist der Zugang zur Lehrbuchlektion von besonderer Bedeutung.

Das Ziel der Spracherwerbsphase ist die Lektürefähigkeit der Schüler. Die Textkompetenz bildet von Beginn an den Kern des Lateinunterrichts. Auf sie ist daher auch die Lehrbucharbeit und damit die Gestaltung von Sequenzen zu Lehrbuchlektionen auszurichten.
Didaktische Überlegungen der Schüler als Leser
Drei Jahre begleiten Lehrbuchlektionen unsere Schüler durch den Spracherwerb, sie sind während dieser Zeit die Visitenkarte unseres Faches und mithin entscheidend für die Bereitschaft der Schüler, das Fach Latein auch in der Lektürephase weiter mit Interesse und Begeisterung zu betreiben und es im Idealfall in der Sek. 2 zu belegen.
Schüler verfolgen die Geschichten in den Lehrbüchern mit großer Begeisterung und Freude. Sie sind neugierige Leser, die sich schnell und intensiv auf die neue Welt, die ihnen diese Texte eröffnen, einlassen. Dabei gehen sie mit der gleichen Erwartungshaltung an Lektionstexte heran wie an andere Texte, seien es literarische oder Gebrauchstexte; man erhofft sich einen Gewinn – Unterhaltung, Information, Orientierung usw.; Spannung und Anschaulichkeit sind ihnen wichtig, Schüler wollen, dass ein Text sie berührt.
Gerade die neueren Lehrwerke bedienen dieses Interesse und diese Neugier hervorragend (bspw. durch das Angebot an Identifikationsfiguren, das Aufgreifen sozialkritischer Themen, das Familien-Motiv sowie generell durch spannende Geschichten und ein breites Textsortenspektrum).
Es geht freilich auch um Spracherwerb, was Vor- und Nachteil zugleich ist: Einerseits ist es nachhaltiger, dass grammatische Inhalte im Textzusammenhang eingeführt und erarbeitet werden können, es besteht aber andererseits die Gefahr der Überlagerung der inhaltlichen Textarbeit durch den Spracherwerb (die Texte würden dann hauptsächlich als Vehikel der Grammatik- und Wortschatzeinführung sowie Übung genutzt). Solche Zugänge, die den Text vernachlässigen bzw. ihn rein funktional in den Dienst des Spracherwerbs stellen, sind kontraproduktiv und zu vermeiden. Es geht nämlich sehr schnell, einer Lerngruppe die Freude an lateinischen Texten zu vergällen. Auch die Strategie mancher Lehrwerke „vorentlastendes Material im Vorfeld der Texte anzubieten bzw. mit Balkenüberschriften bereits zu signalisieren, um welches sprachliches Thema es geht, sind aus diesem Grund zu verwerfen.
Wenn man denn die Texte als Texte ernst nimmt und den Schülern die Möglichkeit eines sukzessiven Aufbaus von Textverständnis gibt sowie alle Lernbereiche mit dem Text verzahnt, lässt sich das Problem auch vermeiden. Das Lesen und vertiefte Verstehen des Lektionstextes sollte immer das Herzstück einer Lehrbuchsequenz sein.
Die Gestaltung von Lehrbuchlektionen und die Handlungsfelder der Lehrbucharbeit
Der Aufbau von Lehrbuchlektionen in den neuen Lehrwerken ist heute in der Regel vergleichbar und spiegelt die drei Kernkompetenzen Sprach-, Text- und Kulturkompetenz wider: Auf eine Einstiegsseite, die meist eine realienkundlich-thematische Hinführung bietet und ggf. noch Material für eine grammatische Vorentlastung liefert, folgt als Herzstück der Lektionstext, meist flankiert von Aufgaben zur Erschließung und Interpretation. Weitere Seiten bieten dann sprachliche Übungen; abgerundet werden die Lektionen meist mit weiteren Texten bzw. einem ausführlicheren Materialangebot zum realienkundlich-thematischen Kontext. Neben den eigentlichen Lehrbüchern steht mittlerweile ein breites Angebot von Zusatzmaterialien (Arbeitshefte, grammatische Beihefte, Lesehefte, Audio-CDs, Klassenarbeitstrainer, digitale Buchversionen, Foliensätze usw.) bereit, das auch bei der Gestaltung von Lektionseinstiegen berücksichtigt...

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