5. – 13. Schuljahr

Anne Uhl

Mit Schülerprodukten weiterarbeiten

Häufig motivieren produktionsorientierte Aufgaben Schülerinnen und Schüler in besonderem Maße. Die Schülerprodukte stellen Rezeptionsdokumente dar. Die Produkte als solche ernst zu nehmen, zieht eine Weiterbehandlung im Unterricht nach sich.

Schüler lassen sich immer wieder neu gern auf inhaltliche Arbeit mit dem Text ein. Dies gilt für verschiedene Phasen der Textarbeit, nämlich zusätzlich zur Übersetzung für die Erschließung eines Textes und die Interpretation. Als besonders motivierend erweisen sich häufig Aufträge, die die Schüler zu eigener Produktivität auffordern.1
Für den Unterricht, der mit produktionsorientierten Aufgaben arbeitet, lassen sich die Phasen Kreation – Präsentation – Interpretation der Produkte – Feedback ausmachen.2
Kreation
Produktionsorientierte Aufgaben zielen darauf, die Auseinandersetzung mit dem Text zu intensivieren. Sie zu bearbeiten, erfordert daher eine fundierte Textkenntnis. Sie führen die Interpretation fort, die während der vorausgegangenen Bearbeitung bereits erfolgt ist.
Gütekriterien für Arbeitsaufträge
Gütekriterien für Arbeitsaufträge
Die folgende Kriterienliste tritt in diesem Beitrag an die Stelle einer Checkliste.
Gewinnbringende Arbeitsaufträge
  • erfordern eine fundierte Textkenntnis. Das bedeutet, dass sie im Idealfall zu einer erneuten Lektüre führen.
  • machen deutlich, dass der Bezug zum Text nachvollziehbar sein muss, entweder unmittelbar oder durch eine Erklärung.
  • regen die Fantasie an.
  • bieten eine Auswahl an Möglichkeiten. So ermöglichen sie einen Rückgriff auf persönliche Stärken und Interessen und erhöhen meistens die Motivation. Achtung: Vergleichbarkeit beachten und die Vorgaben ggf. anpassen!
  • stellen sicher und machen deutlich, dass mit den Produkten im Unterricht weitergearbeitet wird.
  • vermitteln eindeutig, ob der Auftrag eine Wahl- oder Pflichtaufgabe darstellt.
  • weisen ggf. darauf hin, dass eine Bewertungssituation vorliegt.
  • geben Auskunft über die zugrunde gelegten Bewertungskriterien.
Die Produkte dokumentieren das Textverständnis der Schüler. Dabei kann das Textverständnis je nach Zeitpunkt und teilweise je Aufgabe graduell abgestuft dokumentiert werden. Die unterschiedlichen Verfahren tragen zur Vergegenwärtigung und Offenlegung des individuellen Textverständnisses bei und verschaffen einen für andere sichtbaren Nachweis/ Zugang dazu.
Gestaltungsbereiche und mögliche Aufgabenformate eine Auswahl
Gestaltungsbereiche und mögliche Aufgabenformate eine Auswahl
Aufträge können verschiedene Bereiche des Gestaltens berühren (vgl. Wehmann 2007, 15 – 17, in Anlehnung an Pfeiffer 1999, 6):
  • freies Schreiben
  • szenisches oder musisches Gestalten
  • grafisches Gestalten.
Aufgaben (→ Produkte) können beispielsweise sein
  • Umformung indirekte Rede in direkte Rede
  • Umformung in einen inneren Monolog/in einen Dialog
  • Umformung Gedicht in Prosatext und umgekehrt
  • Perspektivwechsel/Rollenwechsel
  • Tagebucheintrag
  • Zeitungsbericht
  • Leerstellenfüllung
  • Die Vorgeschichte/das Ende/eine Fortsetzung schreiben
  • Standbild
  • Drehbuch
  • Inszenierung
  • Brief
  • Vertonung
  • Lied
  • Hörspiel
  • Bild
  • Collage
  • Fotostory
  • Comic
  • Film
Konkrete Aufgabenbeispiele siehe z.B. bei Pfeiffer 1999, 3 – 5.
Den verschiedenen Arten von Produkten können im Ansatz verschiedene Funktionen zugewiesen werden.
Funktionen
  • Vergewisserung des Textverständnisses durch Schaffen eines Abbildes (gestaltende Reproduktion), z.B. Bild, Comic, Collage, Brief
  • Vertiefung des Textverständnisses, z.B. Verfassen einer Fortsetzung, Rollentausch/Perspektivwechsel, Film. Sie verlangt Rückgriff auf den Text und eine der Situation bzw. konkreten Aufgabe angemessene Weiterbearbeitung.
  • Weiterbearbeitung durch Transfer des Themas bzw. der Frage über Fortführen/Adaptation des Themas, z.B. Übertragung in eine andere Zeit oder an einen anderen Ort, Kreation ausgehend von dem zentralen oder einem wichtigen Moment der Textvorlage.
Zeitbedarf
Der Zeitbedarf richtet...

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