5. – 13. Schuljahr

Carina Göbel / Andreas Hensel

Sachinformationen und realienkundliches Material behandeln

Um den Lernenden das Verstehen der Texte zu ermöglichen, muss ihnen ein Einblick in die historischen Zusammenhänge und antike Lebenswelt eröffnet werden. Dem Prinzip des entdeckenden Lernens folgend ist das Ziel, dass die Schüler sich selbstständig Informationen zu den sachkundlichen Themenbereichen beschaffen, diese auswerten und präsentieren. Altsprachliche Texte sind für den modernen Leser nicht ohne Hintergrundinformationen zu verstehen. Ein Unterricht, der das vertiefte Textverständnis als Leitziel hat, muss den Schülern auch solche Informationen bereitstellen, die sie in die Lage versetzen, den kulturgeschichtlichen Kontext in das Verstehen und Deuten der Texte einzubeziehen.1 Didaktisch verortet werden diese Lernprozesse im Bereich der Kulturkompetenz, der in den neueren Lehrplänen eine zentrale Rolle einnimmt.2

Die neueren Lehrwerke spiegeln auch eine signifikante didaktische Aufwertung der Realienkunde sowie das Bemühen um eine Einbettung der sachkundlichen Inhalte in das Gesamtkonzept textbezogenen altsprachlichen Unterrichts wider. Diese Integration stellt eine beachtliche methodische Herausforderung dar, wenn das Sachkundliche nicht beliebiges Beiwerk darstellen oder gar zu einer Aushöhlung des philologischen Fachkerns führen soll.
Bei der Auseinandersetzung mit realienkundlichen Inhalten ist daher grundsätzlich auf eine enge Verzahnung mit der Textarbeit zu achten.
Checkliste: Einsatz sach- und realienkundlichen Materials
Checkliste: Einsatz sach- und realienkundlichen Materials
  • Ist das Lehrbuchmaterial sinnvoll/ausreichend, oder müssen zusätzliche Materialien bereitgestellt werden?
  • Mit welchen Materialien lassen sich die wesentlichen Aspekte am besten bearbeiten? Wie sollen die Schüler die wichtigsten Informationen recherchieren und aufbereiten?
  • An welcher Stelle im Unterricht soll das realienkundliche Thema behandelt werden (Einstieg, begleitend zur Textarbeit, als eigenes Thema nach der Textarbeit)?
  • Eignen sich methodische Großformen zur Erschließung des Themas?
  • Bieten sich Möglichkeiten zur horizontalen bzw. vertikalen Binnendifferenzierung an?
  • Wie kann ein lebensweltlicher Bezug hergestellt werden?
  • Wie lässt sich eine anschauliche und nachhaltige Sicherung des Erarbeiteten gewährleisten?
  • Wie lässt sich die Überprüfung der erarbeiteten Inhalte durchführen?
  • Ist die Zeitplanung für die Behandlung des Themas angemessen und ökonomisch?
  • Wie kann eine Vernetzung der realienkundlichen Arbeit mit der Textarbeit, der Wortschatzarbeit und der Interpretation ermöglicht werden?
Funktionales Spektrum
  • Wichtigste Funktion ist der Aufbau von Kulturkompetenz als Baustein einer Verstehenskompetenz, die es ermöglicht, Texte in ihrem kulturhistorischen Kontext zu erfassen. Realienkunde ist essenzieller Bestandteil der Textarbeit.
  • Motivation: Schülerinnen und Schüler sind in der Regel an Altertumskunde sehr interessiert. Die Motivation, altsprachliche Texte zu lesen, ergibt sich oft schon aus diesem Interesse heraus.
  • Lebensweltlicher Bezug sowie der Einblick in Zeugnisse der Antike in der eigenen Region.
  • Hilfe bei der Wortschatzarbeit (z.B. Sachfeldarbeit beim Thema „Thermen oder „Gladiatorenspiele).
  • Aufbau von Methodenkompetenzen (Techniken der Informationsrecherche, -auswertung und -präsentation)3
Verortung im Unterricht
Bereits in der Lehrbuchphase spielen sachkundliche Inhalte eine zentrale Rolle und bleiben auch in der Lektürephase von großer Bedeutung (zum thematischen Angebot siehe Tabelle ). Der unterrichtliche Ort der Behandlung kann ganz unterschiedlich sein:
  • als realienkundlicher Einstieg vor der eigentlichen Textbehandlung; dies bietet sich bei sehr voraussetzungsreichen Texten an, zu deren Verständnis vorab grundlegende Informationen erforderlich sind,
  • während der Textbehandlung, gewissermaßen „on demand,
  • als Teil der Interpretation nach der Texterschließung,
  • als...

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