5. – 13. Schuljahr

Anne Uhl

Standardsituationen im Latein- und Griechischunterricht

Der Ausdruck „Standardsituation verweist auf den Sport und bezeichnet das Phänomen, dass bestimmte Situationen in einem Spiel wiederkehren. Bestimmte Abläufe und Phasen sind somit für ein Spiel konstitutiv. Ohne diese geht es nicht, sicher nicht zwingend mit allen in einem Spiel, wohl aber mit mindestens einer.
Standardsituationen im Unterricht
Durch ihre Regelmäßigkeit werden die Situationen vorhersehbar und damit auch leichter trainierbar, und entsprechend ist das Einstudieren von Standardsituationen ein umfänglicher Bestandteil der Vorbereitung von Spielen. Charakteristisch für Standardsituationen ist demnach das vorhersehbare und wiederholte Auftreten von Aktionen, die ein Handlungsrepertoire erfordern. Für dieses gibt es Grundmuster und Varianten, was es planbar und trainierbar macht.1 Kuhlmann/Kühne definieren Standardsituationen als „regelmäßig wiederkehrende, verallgemeinerbare Unterrichtssituationen, die ein Lateinlehrer in seinem Unterricht zu bewältigen hat2.
Für dieses Heft haben wir eine Reihe von Standardsituationen des altsprachlichen Unterrichts identifiziert. Denn auch im altsprachlichen Unterricht gibt es sich wiederholende Strukturen, Phasen, Stundentypen, grundlegende Unterrichtsmuster.3
Standardsituationen des altsprachlichen Unterrichts eine Auswahl

Standardsituationen des altsprachlichen Unterrichts eine Auswahl
Fett gesetzt sind die Standardsituationen, die in diesem Heft in Praxisbeiträgen behandelt werden.
  • Stundenanfang
  • Einstieg
  • Nach den Ferien/Unterrichtspause
  • Üben, wiederholen, festigen
  • Neue Lektion
  • Texterschließung
  • Unterrichtsgespräch
  • Visualisierung
  • Ergebnissicherung
  • Umgang mit Schülerübersetzungen
  • Bearbeitung von Schulbuchmaterial/Sachinfos
  • Wortschatzarbeit/Vokabeltests
  • Nach der Klassenarbeit
  • Grammatikwiederholung in der Lektürephase
  • Einstieg in die Poesie
  • Einstieg in die Metrik
  • Umgang mit Schülerprodukten
  • Feedback
  • Hausaufgaben
  • Stundenausstieg
Unsere Liste von Standardsituationen ließe sich fortsetzen. Bei dem Nachdenken über unterrichtliche Standardsituationen wird rasch deutlich, dass es solche gibt, die für den Unterricht vieler oder sogar aller Fächer gelten und jeweils eine fachspezifische Ausgestaltung erfahren (z.B. Einstiege, Umgang mit Schülerprodukten). Andere Situationen, wie der Diskurs über Übersetzungen und seine Moderation, sind typisch für den Unterricht der alten Sprachen und so nur hier anzutreffen.
Handlungsrepertoire der Lehrkraft
Wie bezüglich Unterricht allgemein, so gilt auch für die typischen Unterrichtsmuster, dass ihr Gelingen stark von dem Handlungsrepertoire und den Fertigkeiten der Lehrkraft abhängt. Dies gilt auch heute, da – wie schon seit Jahren – der Begriff der Kompetenzorientierung und damit verbunden der Blick auf den Output das Nachdenken über Unterricht maßgeblich bestimmt.4 Tschekan identifiziert vier grundlegende Elemente des Lehrerverhaltens, die in allen in diesem Heft thematisierten Standardsituationen benötigt werden: „Instruieren (im Sinne von anleiten oder moderieren), erklären/vortragen, mit Schülerantworten umgehen und Feedback geben5. Für die Umsetzung dieser kommunikativen Basisfertigkeiten gibt es eine Fülle von Möglichkeiten. Je nach dem, wie zentriert die konkrete Unterrichtssituation auf die Lehrkraft oder auf die Schüler hin konzipiert ist, ergibt sich eine deutlich andere Lernsituation.6 So sind die Standardsituationen zu verstehen: Sie sind zu kombinieren, auszuprobieren und vor allem situationsgemäß anzupassen.7
Das vorliegende Heft hat einen Überblicks- und Servicecharakter. Kurz, prägnant und konkret werden verschiedene Wege aufgezeigt, wie mit einer Standardsituation umgegangen werden kann. Es entsteht so eine überblicksartige, hilfreiche Handreichung zu wichtigen Themen des altsprachlichen Unterrichts, die sich als Ergänzung didaktischer Handbücher versteht.
Das Heft richtet sich vor allem an Berufsanfänger, hält...

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