8. – 10. Schuljahr

Andreas Sirchich von Kis-Sira

Das war ein Schuss! Wilhelm „Toko Tell

Die Geschichte des Schützen Toko wurde um 1200 verfasst und stellt motivgeschichtlich eine der Vorlagen für Wilhelm Tell dar; Toko ist „die älteste in einem Text erwähnte Tellgestalt, ihr Prototyp sozusagen1. Sie eignet sich für die Übergangslektüre, v.a. dann, wenn im Deutschunterricht Wilhelm Tell gelesen wird. Es lassen sich nicht nur lektürerelevante Grammatikinhalte wiederholen, sondern auch interpretatorische Arbeitsweisen einüben. Die klare Gliederung in vier etwa gleich lange Abschnitte erleichtert Verständnis und schulische Anwendbarkeit. Der Text (Material 1 ) wurde behutsam bearbeitet, v.a. durch Auflösung von Hyperbata, erleichterte Wortstellung und Kürzung, sodass er in ca. zwei Doppelstunden gelesen werden kann.
Erwartungshorizont
Erwartungshorizont
Aufg. 1:
  • echter Mut (solida virtus, Z. 13; fortitudinis, Z. 30) vs. Übermut (se iactabat, Z. 5)
  • selbstbewusster Redner vor König (libero dicto, Z. 30) vs. Schwätzer vor Freunden (inter convivas temulentius, Z. 4)
  • geschickter Bogenschütze (tam copioso sagittandi usu, Z. 5; efficacissimae artis, Z. 19)
  • loyaler, verdienter Soldat (stipendia regis meritus, Z. 1; superabat, Z. 2) vs. Revolutionär (docuit, ostendit, Z. 31f.)
Aufg. 2:
  • Am Anfang: prahlerisch und überheblich (se iactabat, Z. 5) und dazu so stolz, dass er auch dann nicht zurückzieht, als er das Leben seines Sohnes in Gefahr bringt (solida virtus fiduciam iustam abicere non potuit, Z.13f.).
  • In den Vorbereitungen: planvoll und listig (tribus sagittis expeditis, Z. 21f.) und um den Sohn besorgt (monuit, Z. 16; avertit, Z. 21), verlangt aber auch viel, nämlich bedingungsloses Vertrauen auf seine Künste, die weiterhin stolz betont werden (efficacissimae artis experientiam, Z. 19)
  • Am Ende: noch immer stolz und überheblich, wie seine Rede zeigt, aber eben berechtigt (docuit, ostendit, Z. 31f.)
Didaktische Hinweise
Idealerweise kann man nach einer Lektüre des Einleitungstextes an vorhandenes Wissen (Deutschunterricht oder sonstige Erfahrungen mit dem Motiv des Apfelschusses2) zurückgreifen. Davon ausgehend kann der erste Abschnitt über Schlüsselwörter inhaltlich vorentlastet werden, wobei besonderes Augenmerk auf den Inhalt der Wette gelegt und spekuliert werden sollte, warum und wie das Geschehen eskaliert. Entsprechende Vermutungen können gesammelt und am Ende oder gleich jetzt am weiteren Text überprüft werden. Unabdingbar ist die Wiederholung folgender wiederkehrender grammatischer Phänomene: PC, Abl. abs., Relativsatz, Steigerung (auch des Adverbs), Gliedsätze mit ut/ne. Der erste, sprachlich wie inhaltlich anspruchsvollste, Abschnitt sollte abschließend gemeinsam übersetzt werden.
Zwecks Überleitung zum weiteren Text bietet es sich an, Wörter aus dem ersten Abschnitt suchen zu lassen, die sich, ggf. in veränderter Form, wiederholen. Sieht man diese im Minimalkontext, lässt sich der Handlungsverlauf rekonstruieren, am einfachsten über Toko und regis (Z. 1) als handelnde Personen, aber auch über virtutum (Z. 3), sagittandi (Z. 5), pomum, baculo, prima (Z. 6) oder spiculi (Z. 7): Am Ende wird Toko nämlich zwar wie gewettet mit dem ersten Pfeil treffen, doch hierfür dreie gezogen haben (vgl. Z. 6f. und 21 – 23). Dies kann in der Klasse diskutiert werden, weil er doch für die Wette nur einen abschießen darf; Wilhelm Tell zieht in dieser Situation zwei Pfeile.
Ausblick
Besonders ergiebig ist am Ende der Austausch über Aufgabe 3, der sich zu einer grundsätzlichen Diskussion über gelingende Vater-Sohn-Beziehungen weiten kann. Ggf. muss man darauf hinweisen, dass auch im ungekürzten Original der Sohn nirgends zu Wort kommt und fraglos alles macht, was der Vater fordert. Als Abschluss wäre also denkbar, falls möglich, Bezüge zu Wilhelm Tell ziehen oder einen Dialog zwischen Vater und Sohn verfassen zu lassen.
Literaturhinweise
Bergier, J.: Wilhelm Tell. Realität und Mythos, Zürich 2012, 90 – 9...

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